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Grußwort zur Adventszeit

03.11.2014 | Leonie Struck, Kirchengemeinderatsmitglied, über den Brauch des Adventskranzes

Woher kommt die Tradition des Adventskranzes?

Liebe Gemeinde,

nach einem schönen, warmen Sommer beginnt jetzt wieder die dunkle Jahreszeit mit Wind und Wolken, Nässe und Kälte. Und nach dem Ewigkeitssonntag hört man wieder das Gedicht "Advent, Advent, / ein Lichtlein brennt. / Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, / dann steht das Christkind vor der Tür." Vor uns liegt die Adventszeit, unsere Wohnungen werden wieder mit einem Adventskranz geschmückt.

Woher kommt diese Tradition und wie alt ist sie? Als "Erfinder" des Adventskranzes in der heutigen Form gilt der Theologe Johann Hinrich Wichern. Im Rauhen Haus in Hamburg betreute Wichern zusammen mit anderen christlichen Männern Kinder und Jugendliche aus den Hamburger Elendsvierteln. Um bei den Kindern die Vorfreude auf das Christfest zu wecken, ließ Wichern 1839 zum ersten Mal einen hölzernen Leuchter im Betsaal mit 23 Kerzen aufhängen - 19 kleine rote für die Werktage und vier dicke weiße für die Sonntage. Die Reihe begann am ersten Adventssonntag mit einem dicken weißen Licht, dem sechs kleinere, rote Lichter für die Werktage der Woche folgen, bis am nächsten Sonntag die nächste weiße Kerze entzündet wird. Der erste Adventskranz in Deutschland war ein schlichter, runder Holzleuchter. Wichern beschrieb ihn so: "Auf dem Kronleuchter des Betsaals mehrt sich täglich die Zahl der Lichter, die der Zahl der Adventstage entsprechen, bis zum Schluss des Advents die ganze Lichterkrone strahlt und immer heller widerstrahlt in den Herzen der Kinder."

Etwa 20 Jahre später verzierten die "Rauhhäusler ihren wagenradgroßen Kranz, der in der Mitte des Betsaales hing, mit grünen Zweigen. Weihnachten wurde er dann von einem reich geschmückten Christbaum abgelöst. Es ist nicht mehr genau bekannt, wie und wann sich der Adventskranz in Deutschland verbreitete. Wahrscheinlich trugen zur Verbreitung besonders in der evangelischen Kirche auch die von Wichern im Rauhen Haus ausgebildeten Diakone bei. Weitere Verbreitung fand der Adventskranz unter dem Einfluss der Jugendbewegung erst nach dem ersten Weltkrieg, wenn auch in verkleinerter Form, die nur noch Platz hatte für vier Kerzen: für jede Adventswoche eine.

Kränze sind in vielen Kulturen Siegeszeichen. Christen legen auf die Gräber ihrer Verstorbenen Totenkränze - zur Erinnerung an Ostern und die Auferstehung. Deshalb ist der Adventskranz, mit immergrünen Zweigen geschmückt, Zeichen des Lebens, das über den Tod hinaus besteht. Auf den Adventskranz gehören rote Kerzen, weil Rot als die Farbe der Liebe Gottes gilt, als deren sichtbares Zeichen Jesus Christus Weihnachten zur Welt kommt.

Leoni Struck