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Gedanken zum Herbst

Grußwort von Pastor Dr. Carsten Berg

Liebe Gemeinde,

"Gott spricht: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte", Jeremia 31, 3 (Monatsspruch für September 2016)

Im 31. Kapitel des Propheten Jeremia lesen wir diese Worte. Mit ihnen leitet der Prophet seine Ansage ein, dass Gott den Bund mit seinem Volk, den Israeliten, erneuern will. Worte, die ein Volk erreichen sollen, das so ganz anders geworden ist, als es der Schöpfer sich vorgestellt hatte beim Bundesschluss am Sinai. "Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägypten, aus der Sklaverei geführt hat, du sollst keine anderen Götter haben neben mir." So steht es am Beginn der Liebesbeziehung Gottes zu seinem Volk. Die Israeliten aber hatten genau dies nicht geschafft; immer wieder musste Gott sie mahnen, sich von den Göttern der anderen Völker fern zu halten. Gar nichts nutzten die Mahnungen Gottes. Die Israeliten wandten sich nicht nur von ihrem Gott ab und fremden Göttern zu, sie traten sein Wort auch mit Füßen und lebten so, als gäbe es Gottes Gebote nicht. Gott aber will den Menschen nahe bleiben, die er doch als sein Ebenbild geschaffen hatte. Er will sie begleiten. Gott hat ein Bild von den Menschen, dem die Menschen nicht mehr entsprechen. Lange sieht Gott dem Treiben der Israeliten zu. Lange ruft er zur Umkehr, aber einmal hat auch Gottes Geduld ein Ende.

Davon erzählt uns das Buch des Propheten Jeremia: Bereits bei seiner Berufung hört Jeremia aus Gottes Mund, was sein Auftrag sein wird: Er soll ausreißen und einreißen, zerstören und verderben. Entspricht ein Gott, der solches fordert, dem Bild, das wir von einem liebenden Gott haben? Kann Gott seinen Geschöpfen das Gericht androhen? Ja, er kann! Das Bild, das wir so gerne mit dem "lieben" Gott verbinden, entspricht nur bedingt seinem Wesen. Zu ihm gehören neben seiner Liebe auch seine Heiligkeit und sein Zorn. Und so hat Gott wahr gemacht, was er zu Jeremia gesagt hat: Er hat sein Volk, das sich von ihm ab- und fremden Göttern zugewandt hatte, ins Exil nach Babylon führen lassen. Irgendwann war Schluss mit dem Mahnen und Rufen, irgendwann traf ein, was der Prophet gebetsmühlenartig wiederholt hatte.

Im Buch und in der Botschaft des Jeremia steht aber von Anfang an neben dem Gerichts- auch das Verheißungswort an Jeremia. Der Prophet soll predigen vom Ein- und Auszureißen, und er hat den Auftrag, zu pflanzen und zu bauen. Jeremia soll das Gericht nicht um des Gerichts willen, sondern um des Heils willen ankündigen. Gottes Liebe hat bei allem Ernst immer nur ein Ziel: Sie will Menschen zurückgewinnen. Sie will auch da, wo sie Gericht androhen muss, vor allem Umkehr und Rückkehr zu Gott. Denn Gott hat die Menschen je und je geliebt, darum rief und ruft er sie immer wieder neu zurück auf seinen Weg.

Diese Spannung lädt uns ein, nachzudenken über unser Leben und unser Verhältnis zu diesem Gott, der auch uns liebt und hält, manchmal mehr, als wir es verdient haben. Gott sei Dank.

Einen nachdenklichen und gesegneten Herbst wünscht Ihnen

Ihr Pastor Dr. Carsten Berg